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Kummernuss, Adolph

* 23.06.1895 in Hamburg

† 07.08,1979 in Travemünde

Hafenarbeiter, ÖTV-Vorsitzender,  Gewerkschaftsangestellter

- SAJ 1909, SPD 1913-1933, Reichsbanner, SPD ab 1945, MdBü

- 2 Jahre Untersuchungshaft Gefängnis Hamburg, KZ Fuhlsbüttel, Stettin, Stargard, SA-Straflager Neusustrum 1935-1937 wg. Verstoßes gegen das Gesetz gegen die Neubildung von Parteien (Prozess Kummernuss und Genossen)

- Polizeiaufsicht, Verlust des Arbeitsplatzes

- Koordinator des gewerkschaftlichen Widerstandes der Transportarbeiter, Vorsitzender der ÖTV Hamburg, Bezirk Nordmark und der Bundesrepublik nach 1945, Vorsitzender des DGB-Ortsausschusses Hamburg 1947-1949

 

Leben und Werk

Adolph Kummernuss wurde als Sohn eines Schmiedes geboren. Der Vater arbeitete auf Hamburger Werften und gründete 1885 in der Hansestadt den "Zentralverband aller in der Schmiederei beschäftigten Personen". Die Familie hatte zwölf Kinder und zeitweise musste die Mutter als Krankenpflegerin dazu verdienen. Ein Lotteriegewinn ermöglichte den Erwerb eines Brotladens. Später unterhielten die Eltern eine Gastwirtschaft.

Nach dem Besuch der Volksschule verließ Adolph Kummernuss 1909 im Alter von 14 Jahren das Elternhaus, quartierte sich als Schlafgänger in der Nachbarschaft ein und arbeitete im Hafen als Schauermann. Noch im gleichen Jahr wurde er Mitglied der Sozialistischen Arbeiterjugend (SAJ). Drei Jahre später trat er in den Deutschen Transportarbeiter- Verband und in die SPD ein. 1924 wurde er Mitglied des Reichsbanners.

Im Ersten Weltkrieg wurde Kummernuss schwer verwundet. Er kehrte zurück nach Hamburg und arbeitete ab 1920 wieder im Hafen. Mit der Wahl in den Betriebsrat begann seine Karriere in der Gewerkschaft. Von 1925 bis 1933 gehörte er dem Bezirksvorstand der Hamburger Hafenarbeitergewerkschaft an. Vom Oktober 1926 bis zum Juni 1927 konnte er sich an der Akademie der Arbeit in Frankfurt am Main fortbilden. Anschließend wurde Kummernuss als hauptamtlicher Gewerkschaftssekretär eingestellt und arbeitete zuletzt als Abteilungsleiter beim Gesamtverband der Arbeitnehmer der öffentlichen Betriebe, des Personen- und Warenverkehrs. Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten wurde Kummernuss aus politischen Gründen zum 1. Juni 1933 entlassen. Da das Arbeitsamt ehemalige Gewerkschaftsfunktionäre nicht vermittelte, blieb er arbeitslos.

Kummernuss war zum Widerstand gegen den Nationalsozialismus entschlossen und hielt vor einem kleinen Kreis von Funktionären des Gesamtverbands im Ferienheim Undeloh 1933 eine illegale Mairede. Im Mai 1933 reiste er nach Amsterdam, um mit dem Vorsitzenden der Internationalen Transportarbeiter-Föderation (ITF) Absprachen über den Aufbau einer illegalen Organisation zu treffen. Wiederholt reiste er in die Niederlande. Als im Herbst 1934 der Leiter des ITF-Büros nach Hamburg kam, fand in einer Wohnung eine illegale Versammlung statt. Die illegale Gewerkschaftsarbeit erstreckte sich nach Kummernuss‘ eigenen Angaben von Hamburg bis zur dänischen Grenze und von Mecklenburg bis nach Berlin. Kummernuss nahm am 30. April 1935 an einer Geheimkonferenz im dänischen Roskilde teil, zu der 31 im Widerstand aktive Vertreter der Transportarbeiter-Gewerkschaft aus ganz Deutschland anreisten. Mit dem fast vollständig vertretenen Exekutivkomitee der ITF wurden Leitsätze für die illegale Arbeit verabschiedet.

Nachdem die Gestapo über den Berliner SPD-Widerstand durch Zufall auf die ITF-Gruppen gestoßen war, wurde Kummernuss am 18. Juni 1935 in Hamburg verhaftet und bis zum Juli 1936 im KZ Fuhlsbüttel gefangen gehalten. Es folgte Untersuchungshaft in Hamburg, Berlin, Stettin und Stargard in Pommern, bevor er auf der Grundlage des Gesetzes gegen die Neubildung von Parteien am 3. September 1936 vom Landgericht Stettin zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt wurde. Kummernuss wurde mit Einzelhaft, Hand- und Fußfesseln, Schlägen sowie durch mehrfaches, jeweils zweistündiges "Aufhängen bei 4 Jupiterlampen und Wassertropfen” misshandelt. Nach der Verurteilung verbüßte er seine Haftstrafe vom November 1936 bis zum 17. Juni 1937 im SA-Lager V Neusustrum. Nach seiner Freilassung stand er unter ständiger Kontrolle durch die Gestapo in Hamburg. Zwischen 1937 und August 1944 wurde Kummernuss wiederholt verhaftet und bis zu vier Monate gefangen gehalten.

Unmittelbar nach dem Kriegsende engagierte sich Adolph Kummernuss beim Aufbau des Gesamtverbandes der Verkehrs- und Gemeindearbeiter. Er wurde erster Vorsitzender und hauptamtlicher Angestellter des Verbandes. Als sich 1947 der Ortsausschuss Groß-Hamburg des Deutschen Gewerkschaftsbundes konstituierte, übernahm Kummernuss den Vorsitz. Als Gewerkschaftsvertreter wurde Kummernuss im Februar 1946 von der britischen Militärregierung in die ernannte Hamburgische Bürgerschaft entsandt. Bei der ersten Wahl im Oktober 1946 kandidierte er erfolgreich für die SPD. Kummernuss blieb bis zu seinem berufsbedingten Umzug nach Stuttgart 1949 Mitglied der Bürgerschaft. In den ersten Nachkriegsjahren zählte Kummernuss zu den wichtigsten Persönlichkeiten im gewerkschaftlichen Konzentrationsprozess. In der 1949 gegründeten Gewerkschaft Öffentliche Dienste, Transport und Verkehr (ÖTV) führte es bis 1964 den Bundesvorsitz. 1956 wurde er zum Präsidenten der Internationalen Föderation der Gewerkschaften des Personals öffentlicher Dienste (IÖD) gewählt.

Literatur:
FuD, S. 92f; Verfolgung S. 87f

HM