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Dau, Herbert

* 08.12.1911 in Hamburg,
† 07.07.2000 in Hamburg

Versicherungskaufmann, Vorstandsvorsitzender, Bürgerschaftspräsident

- SPD 1930–1933, Bezirksführer, SPD ab 1945, Bezirksleiter, MdBü, Präsident der
Hamburgischen Bürgerschaft

- 6 Monate KZ, Untersuchungshaft, Schutzhaft Fuhlsbüttel und Hamburg 1935
wg. des Verstoßes gegen das Gesetz gegen die Neubildung von Parteien
(Prozess Mehnke und Genossen)

 

Leben und Werk

 

Herbert Dau wurde als siebter Sohn eines Hafenarbeiters geboren. Er besuchte zunächst die Volksschule auf der Veddel, anschließend die Realschule in Rothenburgsort und dann die Oberrealschule St. Georg. Seine Schullaufbahn konnte er 1930 mit dem Abitur abschließen, für einen Jungen seiner Herkunft und angesichts der damaligen Verhältnisse eine außergewöhnliche Leistung. Nach der Schule absolvierte er eine Ausbildung bei der Volksfürsorge.

Frühzeitig war Herbert Dau im Arbeiter-Turn- und Sportbund aktiv. 1930 trat er in die SPD ein. Noch vor 1933 übernahm er die Funktion eines SPD-Bezirksführers im Bezirk Harburger Chaussee.

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten beteiligte sich Herbert Dau an der illegalen Arbeit der SPD. Er gehörte zu einer Gruppe von Sozialdemokraten, die in Rothenburgsort den Zusammenhalt der Parteiorganisation aufrechterhielt und für die illegale Hamburger SPD-Führung Schriften und Flugblätter verteilte sowie Spenden sammelte. Herbert Dau fungierte als Verbindungsmann und stand in Kontakt mit Helmut Weidt, Mitglied der illegalen Parteiführung in Hamburg. Am 11. März 1935 wurde Dau in der Wohnung seiner Eltern unter dem Vorwurf der Vorbereitung zum Hochverrat verhaftet. Da er nicht wissen konnte, ob er wegen der Verbindung zu Weidt oder aber wegen des Kontakts zu der illegalen Gruppe um Rudolf Saalfeld verhaftet worden war, schwieg er zunächst bei den Vernehmungen. Nach vierzehn Tagen konnte der ebenfalls im KZ Fuhlsbüttel inhaftierte Weidt Dau bei der Essensausgabe mitteilen, dass er ihn belastet habe. Dau wartete noch drei Tage und gab dann zu, in der Zeit von Mai bis Juni 1934 dreimal zehn bis 15 Exemplare der "Roten Blätter" von Weidt erhalten zu haben, behauptete jedoch, den größten Teil verbrannt und nur an drei ehemalige Sozialdemokraten je eine Ausgabe unentgeltlich weitergegeben zu haben. Die Lieferungen bezahlte er jeweils mit einer Reichsmark aus eigener Tasche. Außerdem gestand er ein, zehn oder zwölf Reichsmark für die "Gefangenen-Hilfe" gegeben zu haben. Am 15. August 1935 stellte das Hanseatische Oberlandesgericht das Verfahren gegen Herbert Dau ein. Am darauf folgenden Tag wurde er aus der Untersuchungshaft entlassen. Damit war Herbert Dau vergleichsweise glimpflich davongekommen. Wären seine Aktivitäten als Verbindungsmann und damit seine tragende Rolle in der illegalen Arbeit aufgedeckt worden, hätte er mit einer mehrjährigen Gefängnisstrafe rechnen können. Auch sein Kontakt zu Rudolf Saalfeld, der sich an der illegalen Arbeit um den ehemaligen Hamburger Vorsitzenden der Sozialistischen Arbeiterpartei (SAP), Arthur Busch, beteiligt hatte und zu einem Jahr und sechs Monaten Haft verurteilt worden war, blieb unerkannt.

Der gelernte und mit der Verhaftung entlassene Versicherungskaufmann Dau wurde 1936 wieder bei der Volksfürsorge Lebensversicherungs-AG eingestellt, später arbeitete er als Prokurist bei der Hamburg-Mannheimer. Er legte damit die Grundlage für die Übernahme leitender Funktionen in der deutschen Versicherungswirtschaft. Von 1950 bis 1967 war er Vorstandsvorsitzender beim Deutschen Ring und anschließend bis 1975 bei der Hamburg-Mannheimer.

Nach 1945 beteiligte sich Herbert Dau am demokratischen Aufbau. Er war Mitgründer der Deutschen Angestellten Gewerkschaft und amtierte in Hamburg viele Jahre als Gewerkschaftsvorsitzender. Von 1946 bis 1978 gehörte er der Hamburgischen Bürgerschaft an. 1960 trat er als Nachfolger von Adolph Schönfelder das Amt des Bürgerschaftspräsidenten an, das er bis 1978 ausübte.

Für seine Verdienste würdigte die Freie und Hansestadt Hamburg 1978 Dau mit der Verleihung der Ehrenbürgerwürde. Nach seinem Rückzug aus der Bürgerschaft wirkte er noch 20 Jahre als ehrenamtlicher Richter am Hamburgischen Verfassungsgericht. Herbert Dau starb am 7. Juli 2000.

Literatur:
FuD, S. 46f

HM