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 Thormann, Paul

* 26.04.1901,
† 01.01.1982

 

Feinmechaniker, Drucker

 - Arbeiterjugend 1915,

 - SPD 1920,

 - Reichsbanner 1924,

 - Distriktsführer,

 - Widerstandsarbeit,

 - wegen Vorbereitung zum Hochverrat 1 Jahr Gefängnis

 

 

Leben und Werk

Paul Thormann wurde als Sohn eines Feinmechanikermeisters geboren. Nach dem Besuch der Volksschule begann er 1917 ebenfalls eine Feinmechanikerausbildung, die er 1921 erfolgreich abschloss. Bis 1925 arbeitete er in seinem Beruf, dann fand er eine Anstellung beim SPD-Presseverlag Auer & Co als Drucker.

Vom Elternhaus beeinflusst trat Paul Thormann bereits als Jugendlicher 1915 der Arbeiterjugend bei und wechselte nach deren Auflösung 1919 zur Sozialistischen Arbeiterjugend (SAJ). 1920 wurde er Mitglied der SPD und 1924 Mitglied des Reichsbanners. Am 24. Oktober 1924 heiratete er Margarethe Lohse, mit der er in der Staatssiedlung Langenhorn, Timmerloh 14, wohnte. Hier engagierte er sich im Verwaltungsbeirat der Siedlung.

Paul Thormann, der einen Langenhorner SPD-Bezirk geleitet hatte, übernahm zusammen mit Bruno Lauenroth 1933 die Führung des Distrikts Langenhorn und nahm in dieser Eigenschaft an der „Echo“-Versammlung teil. Er wurde nach über siebenwöchiger Haft am 31. Juli 1933 freigelassen. Durch die Schließung des Verlags Auer & Co verlor er seinen Arbeitsplatz. Nach anderthalb Jahren Arbeitslosigkeit konnte er mit Unterstützung seines jüngeren Bruders bei der Firma C. Plath, Hamburg, eine neue Beschäftigung finden.

Nach dem Verbot der SPD beteiligte sich Paul Thormann an der Widerstandsarbeit. Zusammen mit seinen Langenhorner Parteifreunden wurde er am 29. Januar 1935 verhaftet und in der Strafsache „Mehnke und Genossen“ wegen Vorbereitung zum Hochverrat zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Sein 62-jähriger Schwiegervater, der frühere Gewerkschaftssekretär Hermann Lohse, erhielt sieben Monate Gefängnis.

Nach seiner Entlassung wurde Paul Thormann wieder von der Firma C. Plath beschäftigt. Ende 1944 wurde er noch für wenige Monate zur Wehrmacht eingezogen. 1946 fand er eine neue Beschäftigung als Handwerker bei der Hamburger Hochbahn. Paul Thormann beteiligte sich am demokratischen Aufbau in Glashütte (heute Norderstedt) als Gemeindevertreter. Er starb am 1. Januar 1982.

Aus der Wiedergutmachungsakte von Paul Thormann :

Im Juni 1933 fand eine Versammlung der früheren Mitarbeiter des Auerdrucks, die das „Hamburger Echo“ hergestellt hatten, statt die so genannte „Echoversammlung“. Diese wurde von den Nationalsozialisten aufgelöst, die mit einem Kommando mit Karabinern erschienen, den Teilnehmern Handschellen anlegten und sie mit LKW‘s zum Alten Stadthaus in der Hohen Bleichen brachten. Dort wurden sie, zusammen mit Frauen, in einen Saal gesperrt, der mit schwarz-rot-goldenen Bändern behängt war. Vorher hatten die Festgenommenen – außer den Frauen – 4-5 mal über 25 Meter Spießrutenlaufen müssen, wobei mit allen möglichen Instrumenten auf sie eingeschlagen wurde. Danach wurden sie von dem Reichsstatthalter Kaufmann besichtigt. Einmal wurde Herr Th. zusammen mit einem Mithäftling namens Dr. Staudinger bei weit geöffneten Fenstern in einem Raum alleingelassen, als ob man ihnen Gelegenheit geben wolle, ihrem Leben selbst ein Ende zu setzen. Danach war Herr Th. mehrere Tage in verschiedenen Sammelzellen im Neuen Stadthaus untergebracht, und zwar zusammen mit Kriminellen und Zuhältern. Später wurde er ins Polizeigefängnis verlegt, wo keine Verhöre und auch keine Misshandlungen stattfanden. Danach kamen die Angehörigen der Firma Auer in einer Sammelzelle im Untersuchungsgefängnis, zusammen mit Bremer Kommunisten. […]

In diesen sechs Wochen nach der ersten Verhaftung hat Herr Th. sich nur einmal waschen können. Auch sonst fehlte es einfach an den einfachsten Dingen. So wurde zum Beispiel die Verpflegung auch Kartoffeln und Heringe, einfach auf den Tisch geworfen, und zwar ohne Eßbestecke. Auf Intervention des Hamburger Juristen Dr. Ruscheweyh wurde Herr Th. dann ganz plötzlich entlassen. Er musste sich aber zweimal in der Woche bei der Polizei melden. Durch einen neuen Beamten, der ihm mit dem KZ drohte, wurde er zum „Deutschen Gruß“ gezwungen. Herr Th. wollte daraufhin flüchten, ließ sich aber von seiner Frau mit dem Argument beruhigen, die Nazis wollten betrogen sein. Seitdem senkten die älteren Polizeibeamten, die Herrn Th. kannten, beschämt die Köpfe, wenn er „Heil Hitler“ sagte.

Literatur:
Echo-Versammlung, S. 70

HM