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Bebert, Paul

* 03.10.1893,
† 02.05.1976 in Hamburg

 

Seemann, Bauarbeiter, Zigarrenhändler, Gewerkschaftssekretär

 - SPD 1911,

 - Reichsbanner,

 - 2 Jahre und 3 Monate Haft wegen Vorbereitung zum Hochverrat,

 - Verlust des Arbeitsplatzes
 - nach 1945: Vorsitzender der IG Bau in Hamburg,

 - Mitglied der Bürgerschaft

 

Leben und Werk

Paul Bebert arbeitete nach dem Besuch der Volksschule zunächst als Hilfsarbeiter. Mit 18 Jahren trat er in die Gewerkschaft ein und wurde Mitglied der SPD. Von 1913 bis 1919 war er Soldat und nahm am Ersten Weltkrieg teil. 1924 fand er eine Beschäftigung als Gewerkschaftsangestellter, im April 1925 wechselte er zum Hauptvorstand des Deutschen Baugewerkbundes. Als die Gewerkschaft ihren Sitz 1929 von Hamburg nach Berlin verlegte, übersiedelte Bebert ebenfalls.

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten und der Besetzung der Gewerkschaftshäuser gehörte Paul Bebert zu den ersten, die entlassen wurden. Der wirtschaftlichen Existenz beraubt, vermutlich aber auch, um der politischen Verfolgung zu entgehen, zog Bebert wieder nach Hamburg. Diese Maßnahme bewahrte ihn allerdings nicht vor der politischen Verfolgung. Nach Hinweisen aus Berlin wurde er von der Hamburger Gestapo verhaftet und von Juni bis August 1933 im Konzentrationslager Fuhlsbüttel gefangen gehalten.

Nach seiner Entlassung gelang es Paul Bebert nicht, eine Beschäftigung aufzunehmen, so dass er bis zu seiner erneuten Verhaftung Ende Mai 1935 kein Einkommen hatte. Bebert beteiligte sich am Widerstand und unterhielt u.a. Verbindung zu dem ISK-Aktivisten Hellmut Kalbitzer. Seine Verbindungen zu ehemaligen SPD- und SAJ-Mitgliedern in Eimsbüttel-Nord brachten ihm eine Anklage in dem Verfahren gegen „Ullrich und Genossen“ ein. Das Hanseatische Oberlandesgericht sah in dem Austausch illegaler Schriften und den sich daraus ergebenden Kontakten unter den Beteiligten Ansätze für den Wiederaufbau einer politischen Organisation und verurteilte Bebert wegen Vorbereitung zum Hochverrat am 7. November 1935 zu zwei Jahren Gefängnis. Seine Strafe verbüßte er bis zum 31. Mai 1937 im Konzentrationslager Papenburg-Esterwege. Im November 1937 fand er eine Beschäftigung als Baumeister bei der Firma Max Treudler. Im Mai 1944 wurde Paul Bebert zur Zwangsarbeit herangezogen und musste bis zum Kriegsende zusammen mit Kriegsgefangenen und rassisch Verfolgten nach den Luftangriffen besonders gefährliche Aufräumungsarbeiten durchführen.

Nach dem Zusammenbruch des NS-Regimes beteiligte sich Paul Bebert am demokratischen Aufbau. Er engagierte sich Mai 1945 in der zunächst von der Militärregierung genehmigten Sozialistischen Freien Gewerkschaft (SFG) und gehörte später zu den Gründern der IG Bau-Steine-Erden in Hamburg, deren erster Vorsitzender er bis 1957 blieb. Als am 14. September 1945 Teile des von der Besatzungsmacht genutzten Gewerkschaftshauses an die Gewerkschafter übergeben werden, war es Paul Bebert, der symbolträchtig in Anwesenheit von Vertretern der Militärregierung und der Gewerkschaften das Emblem der Deutschen Arbeitsfront (DAF) über dem Eingang entfernte. Von Februar 1946 bis Oktober 1949 und von März 1951 bis November 1961 war er Mitglied der Hamburgischen Bürgerschaft. Er gehörte dem parlamentarischen Ausschuss für den Neuaufbau des Wohnungswesens und dem Justizausschuss an. Er engagierte sich für öffentliche Bauvorhaben und für den sozialen Wohnungsbau. 1949 setzte die Militärregierung ihn als Treuhänder bei dem Wohnungsunternehmen Neue Heimat ein, das als Gewerkschaftseigentum von den Nationalsozialisten enteignet worden war und Anfang der 1950er Jahre dem Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) zurückübertragen wurde.

1950 wechselte Bebert in den Aufsichtsrat der Neuen Heimat. Von 1955 bis 1961 fungierte er als Aufsichtsratsvorsitzender der Neue-Heimat-Gesellschaft AGEKA (Aktiengesellschaft für gemeinnützigen Kleinwohnungsbau).

Eng verbunden war er auch dem genossenschaftlichen Wohnungsbau. Von 1956 bis 1961 war er Aufsichtsratsvorsitzender der Baugenossenschaft freier Gewerkschafter.

Paul Bebert starb am 2. Mai 1976 in Hamburg.

Literatur:
HB, Bd. 1, S. 38f; Verfolgung S. 92f

HM